Infos:  Ernst und heiter

 

 

Döner versus Currywurst

 

Der ursprünglich türkischen Spezialität in ihrer typisch „ deutschen “ Fastfood-Aufmachung, nämlich im Fladenbrot, kommt entgegen,

 dass sie unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten ideal ist.

 

In jeder Hinsicht gesünder und kalorienärmer als die altbekannte Currywurst, kommt Kebab der von Gesundheitsbewußtsein geprägten

 Lebensart entgegen.

 

Die enthaltenen Gemüse und Salate, sowie die Joghurtsoße, enthalten Ballaststoffe, Vitamine, wichtige Spurenelemente und

Mineralstoffe. Besonders hervorzuheben sind im Döner die Vitamine E, B1, Folsäure und der Mineralstoff Eisen.

 

Für Kalorienbewußte:  Eine Portion Döner hat  615 Kilokalorien und  35 Gramm Fett.

 

Damit ist rund ein Drittel des täglichen Kalorienbedarfs eines Erwachsenen gedeckt, und dies sogar auf eine recht gesunde Art.

 

Der Döner im Fladenbrot ist also eher ein vollwertiges Mittagessen, als der „ kleine Snack zwischendurch “. Erfahrene Kenner der

 Fastfood-Szene wissen es ohnehin: Selbst nach einem kleinen Döner ist man rundum satt. Lang anhaltend für Stunden.

 

Investiert man hingegen das gleiche Geld in eine Currywurst mit Brötchen, oder gar einen in einen schwabbeligen Burger: Ganz gleich

ob Hamburger Royal, Cheese- oder Chicken-Burger; man isst sich förmlich den Hunger in den Leib. Erst die zusätzliche Portion

 Pommes verschafft überhaupt das Gefühl, wirklich satt zu sein. Unter dem Strich letztendlich zum doppelten Preis eines Döners.

 

Der direkte Vergleich von Currywurst mit Döner Kebab zeigt übrigens ein Kuriosum am Rande:

 

Dass die Currywurst dereinst in Berlin erfunden wurde, ist vielen sicher bekannt.

 

Dass jedoch auch der Döner von Berlin aus seinen Siegeszug durch ganz Deutschland angetreten hat, wissen bisher nur wenige Insider.

 

 

Döner in Germany  -  back to the roots.

 

Seinen Anfang nahm das Ganze wohl im Stadtteil Kreuzberg, so etwa in den Jahren 1965 - 1970. Damals war Deutschland noch ein

 Wirtschafts-Wunderland. Von Arbeitslosigkeit war weit und breit keine Spur, ganz im Gegenteil: Die ersten türkischen Gastarbeiter

kamen nach Deutschland, und somit hielten zwangsläufig auch die Speisen ihres Heimatlandes hier Einzug.

 

 

Pizza & Pasta in Germany  -  back to the roots.

 

Gleiches - nicht jedoch nicht unbedingt auf Berlin bezogen - war übrigens bereits 15 - 20 Jahre zuvor zu beobachten. Damals waren es

Italiener, meist aus dem armen Sizilien, die erstmals nach Deutschland kamen, um als Gastarbeiter auf deutschen Baustellen den Unterhalt

 für die übrigen, in der Heimat zurück gebliebenen Mitglieder der Familie zu verdienen.

 

Mehr oder weniger zwangsläufig tauchten damals die ersten italienischen Ladengeschäfte auf, um die Versorgung mit

 landestypischen Lebensmitteln zu sichern. Italien ist nicht nämlich nicht nur die Hochburg von Nudeln und Pizza, sondern auch

 sozusagen Heimatland der Salami.

 

Man muss es sich nur bewusst machen: Alleine schon das Wort Salami mit „ i “ am Ende klingt alleine schon typisch italienisch.

 

Und so ist es auch tatsächlich: Laut einem wahllos herangezogenen Lexikon stammt zumindest  das Wort Salami aus Italien: Eine

 Dauerwurst mit Knoblauch.  mmhhh ....

 

So waren bestimmte Sorten Salami, beispielsweise aus Esel- oder Pferdefleisch, oder 30 verschiedene Sorten von Spaghetti oder

 sonstiger Teigwaren, natürlich nur in diesen Läden erhältlich. Ebenso die berühmten Antipasti, Parma-Schinken und ähnliche Feinkost.

 

Pfiffige Leute gründeten dann die ersten italienischen Restaurants. Es dauerte nicht einmal zehn Jahre, und selbst im kleinsten Dorf

 gab es mindestens eine Pizzeria. 

 

Wo die ersten Pizzen in Deutschland angeboten wurden, wäre der Vollständigkeit halber noch in Erfahrung zu bringen ...


 

The good old Döner  -   Slow Food aus Potsdam

 

Die erste urkundliche Erwähnung des Döners auf deutschem Boden erfolgte schon 1952. Also gut zwanzig Jahre bevor in Deutschland die

 ersten türkischen Gastarbeiter Stahlöfen und Elektroindustrie hinter sich gelassen, und sich der Gastronomie zugewandt hatten.

 

Und nicht etwa Köln, Berlin oder Duisburg oder sonst eine der weltoffenen Städte des Westens darf als Wiege deutschen Dönertums

 gelten, sondern die damals Sowjetisch Besetzte Zone ( SBZ ). Ausgerechnet in Potsdam, wo der Döner bis in die späten 90er

 Jahre als unbekannt galt, wurde zum ersten Mal auf deutschem Boden ein damals noch als  „ Dönerfleischbrötchen “ bezeichnetes

Gericht serviert.

 

Ein kleiner Auszug aus der Tageskarte der HO-Gaststätte „ Der Klosterkeller “ vom 29. Februar 1952:

 

                                                       Der Küchenmeister empfiehlt:

 

Dönerfleischbrötchen mit Rotkraut u. Sauerkraut                    ( 200 gr. Fleisch )     5,85

 

( hier noch Einiges zum Vergleich: )

 

Szegediner Gulasch mit Salzkartoffeln                                       ( 125 gr. Fleisch )     2,75

Schweinefilet in Sahne, mit Kartoffelbrei                                    ( 150 gr. Fleisch )     4.10                  

 

 

Schaut man sich diese Speisekarte ein wenig genauer an, so fällt Folgendes auf:

 

Das Dönerfleischbrötchen stand nicht nur als allererstes Gericht oben auf der Karte. Es war auch tatsächlich das teuerste Menü der Karte.

Sogar fast um die Hälfte teurer als Schweinefilet mit Sahnesoße. Ganz offensichtlich war es wohl damals wirklich der exotische Geheimtip

des Hauses, für den selbst die weiteste Anreise lohnte.

 

Zieht man einmal den Preis des Schweinefilets von 4,10 in damaliger Währung heran, um mit dem entsprechenden Euro-Preis im Jahr

 2003 vergleichen zu können, so ergibt sich etwa das Dreifache; beides jeweils ohne Salatbeilage gerechnet.

 

Aufgrund dieser Relation würde das Dönerbrötchen heute zwischen 17 und 18 Euro kosten ...  afiyet olsun!  ( zu Deutsch: Guten Appetit ! )

 

 


Modern Döner  -   Fastfood  Made in Germany

 

Die Geburtsstunde des Döners schlug im Jahre 1971. Geburtsort, fast ist man versucht, es Kreissaal nennen, war ein Imbiss im

Stadtteil Neukölln, und zwar der Imbiss Kottbusser Damm.    Oder Cottbusser Tor Kreuzberg ??   ( Schreibweise so richtig ? )

 

Dort arbeitete der damals 16-jährige Mehmet Aygün in der Kneipe eines Onkels. Dieser junge Sohn türkischer Emigranten war es, der

 Döner-Fleisch, zusammen mit Salatblättern, Zwiebeln, und Tomaten erstmals in ein aufgeschlitztes Fladenbrot packte,  um es

 für den Straßenverkauf tauglich zu machen. Selbstverständlich fehlte auch damals nicht der Schuss Soße aus Joghurt, Knoblauch und

 Gewürzen.

 

Döner Kebab in der heute bekannten, handlichen Fastfood-Aufmachung war geboren.   

 

Ob der junge Mehmet nun gezielt und bewußt die Vision hatte, der Welt ein neues Fastfood angedeihen zu lassen, oder ob seine Erfindung

sich mehr oder weniger zwangsläufig ergab, weil Döner-Fleisch samt Beilagen zunehmend im Straßenverkauf nachgefragt wurde, ist

 nicht überliefert.

 

Die Fastfood-Tauglichkeit erreichte er jedenfalls, in dem er zwei wesentliche Komponenten des bisherigen Systems veränderte.

 

Er verwendete erstmals ein eigens in bedarfsgerechter, handlicher Größe hergestelltes ganzes Fladenbrot. Damit war eine

 multi-funktionale Nutzung möglich. Das kleine, handliche Brot war sowohl Beilage zum Fleisch als auch Verpackung in Einem.

 

In der fernen Türkei wurde Döner Kebab nämlich üblicherweise als Tellergericht, zusammen mit Reis und einer scharfen, würzigen

 Soße gegessen. Wie in vielen Ländern üblich, hat in der Tischmitte ein Körbchen mit Brot-Happen gestanden. Hierzu wurde das

landes-typische größere Fladenbrot von ca. 30 cm Durchmesser, in handliche Stücke geschnitten.

 

Das Geschäft muss wohl derart gut gelaufen sein, so dass auch die bisher übliche Grill-Technik fastfood-tauglich optimiert werden musste.

 

Der Spieß rotierte fortan nicht mehr in waagerechter Lage um die eigene Achse, sondern in der aktuell bekannten senkrechten

Stellung. In Augenhöhe von oben nach unten zu schneiden, ist einfach viel praktischer, und geht schneller von der Hand. Und Schnelligkeit

ist nun einmal das A und O der Fastfood-Branche. 

 

Dass sich der Spieß traditionsgemäß nur in waagerechter Position drehte, hängt ganz einfach damit zusammen, dass Döner Kebab in der

Türkei über offenem Holzfeuer gegrillt wurde.

 

 

Dafür, dass sich Kebab tatsächlich von Berlin aus durch ganz Deutschland verbreitete, gibt es zwar keine richtigen Beweise. Aber es

spricht zumindest einiges dafür.

 

Diese Tatsache ist seit Jahren bekannt; und niemand hat sie bisher ernsthaft bestritten.

 

Die Dichte der Döner-Verkaufsstellen ist nirgendwo sonst, so hoch wie in Berlin.

 

Ein förmlicher Preiskampf tobt. Die Preise sind ca. um ein Drittel niedriger als im übrigen Bundesgebiet.

 

 

 

Reinheitsgebot

 

Genau wie für Bier, so gibt es auch eine Art Reinheitsgebot für Döner Kebab, die sogenannte

„ Berliner Verkehrsauffassung “.

 

Dort haben Juristen zu Papier gebracht, was ein handelsübliches Kebab an Zutaten enthalten darf, und was ausdrücklich nicht. 

 

Alleine schon die Tatsache, dass es als Erste Berliner Richter waren, die sich 1992 dieser Thematik angenommen haben, spricht Bände.

Ganz offen sichtlich kam es wegen Qualitätsmängeln oder der Rezeptur von Kebab zunehmend zu Streitigkeiten vor Gericht.

 

Nach 25 Jahren Erfahrung mit Kebab im Wirtschaftsleben, war es dann wohl an der Zeit, endlich einmal einen Kebab-Standard zu definieren,

und damit eine gewisse Rechtssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen.

 

 

 

Berlin -  Döner City

 

Die ehemalige alte Reichshauptstadt Berlin ist seit der Wiedervereinigung nicht nur einfach Bundeshauptstadt, sondern auch

Deutschlands heimliche Döner-Hauptstadt.

 

So gab es beispielsweise im Jahr 1998 in Berlin 1.300  Döner-Verkaufsstellen, und damit angeblich sogar mehr, als in Istanbul, der

 türkischen Metropole am Bosporus, mit ihren unglaublichen 16 Millionen Einwohnern.

 

Kurios und interessant in diesem Zusammenhang:  Döner-Verkaufsstellen, so wie wir sie heute kennen, soll es angeblich auch in Istanbul erst

 seit ca. 1960 (!) geben.

 

Was zunächst verblüffend klingt, erschließt sich jedoch dann, wenn man weiß, dass Döner Kebab keinesfalls als das typisch

türkische „ Nationalgericht “ anzusehen ist. Weder gehört es zur traditionellen türkischen Küche, noch war es im Lande überall verbreitet.

 

Im Gegensatz zu Ayran. Dieses wohlschmeckende Kaltgetränk, das lediglich aus mit Wasser verdünntem Joghurt und einer Prise Salz

besteht, kann man tatsächlich als Nationalgetränk ansehen. Genau wie den Çay, den heißen schwarzen Tee. Kleiner Sprachkurs:

 Çay wird ausgesprochen wie „Tschai “.

 

Die Heimat der Drehspieße liegt vielmehr zweitausend Kilometer östlich von Istanbul entfernt, im kurdischen Landesteil, im Gebiet

 rund um die Städte Marac, Adana und U Urfa. Was dort über offenem Holzfeuer gegrillt wurde, hatte nicht einmal einen besonderen

 Namen. „ Döner Kebab “ heißt - ins Deutsche übertragen -  ganz einfach nur bewegtes, speziell „ Gedrehtes Fleisch “.

 

Ebenfalls ist nun auch geklärt, dass viele Döner-Verkaufsstellen nach den größeren Städten dieser Ursprungs-Region benannt sind.

 

Dieses Gebiet liegt im abgelegenen „ armen “ anatolischen Hochland. Diese wirtschaftliche Misere mag mit ein Grund dafür gewesen sein,

 dass sich gerade von dort aus viele Arbeit suchende Menschen auf den Weg nach Deutschland machten, und demzufolge auch

die landestypischen Speisen hierzulande bekannt wurden.

 

 

Schier zum Durchdrehen:  Von schierem Drehfleisch und Hackfleisch

 

Klar ist, dass derjenige der „ einen Döner “ bestellt, dem Ohr des türkischen Verkäufers in Kurzform vermittelt, eine Portion „ Gedrehtes “

 erstehen zu wollen.

 

Wer hingegen ein „ Kebab “ bestellt, begehrt ganz einfach nur „ Fleisch “.    

 

Genau an diesem Stichwort sei dem Autor ein kleiner Exkurs in das Privatleben gestattet. Eine amüsante Anekdote, Kindermund.

 Einfach zum Kringeln. Oder gar zum Drehen ?  Egal.

 

Das Szenario; an einem Sonntagmorgen zu hause: Ein reich gedeckter Frühstückstisch: Kaffee, Brot, Brötchen, knusprige Croissants,

 Butter, Marmelade, Honig, Wurst, Käse, Orangensaft, Frühstücks-Ei, Müsli, Corn Flakes, Milch ...  Einfach alles „ Denkbare “ auf dem Tisch.

 

Routinemäßige Frage an das damals knapp eineinhalb Jahr alte Töchterchen: „ Was magst du zum Frühstück? “.

Vom Kinder-Hochstuhl aus schweifte ein gezielter Blick über das vielfältige Angebot auf dem Frühstückstisch, und nach kurzem

Überlegen kam die Antwort: „ Fleisch “.

 

Ein einziges Wort zwar nur, jedoch auf unnachahmliche Weise, aus tiefstem Herzen artikuliert. Der sprachlichen Entwicklung in

 diesem Alter gemäß, noch arg lispelnd ausgesprochen, mit auffällig stark betontem Zischlaut am Ende. Es war wohl einfach nur das

 erstbeste Lieblingswort aus dem Sprachschatz von Töchterchen Ines. Nach allgemeiner Heiterkeit gab es jedenfalls kein Fleisch zum

 Frühstück ...

 

Hacker an der Fleischtheke:    Sprachliches

 

Bestellungen in Kurzform sind gelebter Alltag.

 

Die saarländische Hausfrau beispielsweise, die „ Ein Kilo Gehacktes “ beim Metzger an der Theke ordert, kann sicher sein,

dass ihr selbstverständlich Hackfleisch vom Rind eingepackt wird, und nicht eventuell ein anderes Produkt, was durch „ Zerhacken “

 in einer Metzgerei sonst noch alles hergestellt werden könnte.

 

Das Gleiche, nur eine Qualitätsstufe höher: „ Gehacktes zum roh essen “.  Nichts anderes als Hackfleisch aus den allerbesten,

 schieren Fleischstücken des Rindes könnte jemals in die Tüte kommen, um dann zu hause - als Tatar würzig zubereitet –

 als Belag für die leckeren Hackschnittchen zu dienen.

 

Hackfleisch aus reinem Schweinefleisch, oder gar „ gemischt “, also aus Rind- und Schweinefleisch wäre hingegen auf Wunsch

ausdrücklich zu bestellen.

 

So werden üblicherweise Koteletts dadurch vereinzelt, in dem der noch komplette Kotelett-Strang jeweils zwischen den Rippen

 bis zur Wirbelsäule mit dem Messer eingeschnitten wird. Dann tritt das Metzgerbeil in Aktion. Die Knochen der Wirbelsäule werden mit

 einem gezielten Hieb auseinander gehackt ...

 

Vom Suppenknochen bis zum Markknochen: Bei Bedarf werden alle mit dem Metzgerbeil in verkaufsfähige Stücke gehackt, nachdem das

 Grobe bereits zuvor mit einer Knochensäge erledigt wurde. 

 

Doch aufgepaßt: In Bezug auf Hackfleisch wird es in sprachlicher Hinsicht nunmehr höchst interessant.

 

Man kann es drehen ( türk. dönern ) und wenden wie man will. Es bleibt nur die verblüffende Erkenntnis:

 

Hackfleisch ist eigentlich überhaupt kein Hackfleisch, sondern Drehfleisch!

 

Grob vor-zerkleinerte Fleischstücke werden nämlich durch den Fleischwolf „ gedreht “, und nicht von, oder in diesem „ gehackt “.

 

Über diese sprachliche Ungenauigkeit muss unbedingt nachgedacht werden!

 

Gedreht wird das Fleisch im Fleischwolf nämlich nur eher beiläufig.

 

Jeder weiß, wie ein Fleischwolf funktioniert:  Über eine trichterförmige Einfüll-Öffnung werden die grob zerkleinerten Fleischstücke von

oben zugeführt.

 

Eine schraubenartige Transportwelle, fördert die Fleischstücke vom Einfüll-Trichter zum eigentlichen Ort der Zerkleinerung. Da diese Welle

 sich um ihre eigene Achse dreht, ist es schlichtweg unvermeidbar, dass sich das eine oder andere Fleischstück beiläufig mit dreht. Aber

 alles reine Nebensache.

 

Letztendlich wird das zugeführte Fleisch aufgrund des mechanisch erzeugten Drucks durch eine Scheibe mit scharfkantigen, kleinen

Löchern gepresst. Dabei zerreißt es durch Einwirkung roher Gewalt in kleinste Stücke. Von Hacken keine Spur.

 

Insofern wären Pressfleisch bzw. Reißfleisch noch zwei denkbare Namen. Beide Begriffe wären aufgrund der angewandten

 Produktionstechnik sehr viel treffender als Hackfleisch.

 

Das wiederum geht aber auch nicht. Der Name Pressfleisch ist quasi schon besetzt. Press-Vorderschinken, Presskopf und

Fischstäbchen sind Beispiele.

 

Reißfleisch - in exakt dieser Schreibweise -,  wäre zwar rein theoretisch noch frei. Aufgrund der gleichen Phonetik könnte es jedoch

 eventuell zu Verwechslungen mit dem „ serbischen Reisfleisch “ kommen, diesem typischen Gericht aus der Küche des Balkan-Staates

Serbien.

 

Also könnte man aus Vereinfachungsgründen auf die Idee kommen das Wort Hackfleisch sterben zu lassen, und fortan nur noch von

 Drehfleisch zu reden.

 

Gedrehtes, bzw. auf türkisch Döner: Ein einziges Wort würde genügen, um universell    - sowohl beim Metzger, als auch an der

 Döner-Bude - in Kurzform bestellen zu können. Was jeweils gemeint ist, wäre aufgrund der unterschiedlichen Räumlichkeiten ohnehin

 eindeutig.

   

Doch Halt:  Das Wort Hackfleisch einfach entfallen zu lassen, ist nicht so einfach, wie man denkt. Als Folge der deutschen

Regelungs- und Verordnungswut gibt es selbstverständlich auch eine sogenannte Hackfleischverordnung. In dieser ist alles

 geregelt ist, was beim Umgang mit Hackfleisch zu beachten ist.

 

Diese könnte man ganz einfach in Drehfleischverordnung umbenennen, und damit gleich noch eine unnötige Unterscheidung

 abschaffen. Deregulieren, wie es im neudeutschen Amtsdeutsch so schön heißt. Zumal Deregulieren voll im Trend der Zeit liegt.

 

Genau wie beim Bier, gibt es nämlich auch eine Art Reinheitsgebot für Döner Kebab: Die sogenannte „ Berliner Verkehrsauffassung “.

 Darin haben Branchenkenner im Verein mit scharfsinnigen Richtern endlich einmal exakt zu Papier gebracht, was alles in den Döner

 rein darf, und was rein ...

 

Aufgrund dieser einschlägigen Vorschrift dürfen in Kebab maximal bis zu 60 % Hackfleisch enthalten sein. Sollte dies der Fall sein,

 fällt der betreffende Kebab-Spieß unter die obenerwähnte Hackfleischverordnung.

 

Und diese genau ist nun der springende Punkt: Man könnte die bisherigen Kodifizierungen, nämlich die gute alte

Hackfleischverordnung einerseits und die                   „ Berliner Verkehrsauffassung “  zu einem einzigen neuen Regelwerk vereinen: 

Einer einzigen neuen Drehfleisch-Verordnung

 

Alles rund um Kebab wäre in der neuen Drehfleischverordnung geregelt. Ganz gleich, ob ein Döner-Spieß  auch ( ehemals

sogenanntes ) Hackfleisch enthält, oder nicht. 

 

Diese bisher am Fleisch orientierten sprachlichen Überlegungen lassen sich nun nahtlos auf die Bezeichnung der Verkaufsstätten

 übertragen:

 

 

Kebab-Bude oder Drehfleisch-Center ???

 

Zugegeben: Kebab-Bude klingt ja schon ein wenig abwertend?

 

Wie wäre es statt dessen - völlig wertneutral und trendig - mit  Drehfleisch-Center?

 

Oder, da wir ohnehin schon beim Drehen sind: den ( Sprach- ) Spieß sozusagen einfach umdrehen, ginge auch: Fleisch-Drehcenter.

 

Zugegeben, etwas seltsam und gewöhnungsbedürftig klingt es schon. Außerdem ist es auch nicht eindeutig: Jedes deutsche

Schnitzel muss schließlich auch mehrfach gedreht, sprich in der Pfanne gewendet werden.

 

Bevor wir nun ganz am Rad, resp. Spieß drehen, wird deshalb ganz einfach abgedreht. 

 

Vermutlich ist wie bei der Currywurst:  Egal ob Curry oder Wurst, Rote oder Weiße.      Es ist eh wurscht!  Hauptsache, es schmeckt.

 

Vielleicht sollten sich Politiker einmal darauf besinnen, dass Liebe bekanntermaßen durch den Magen geht ...

 

Apropos Politiker:  Unser Stichwort zur Überleitung zur nächsten Neuigkeit:

 

 

Döner Kebab - lebensmitteltechnologisch

 

War Kebab dereinst, als es seinen Einzug in Deutschland hielt, noch eine rein ethnische Speise, die man mehr oder weniger zunächst

 nur aus Neugierde bei den türkischen Nachbarn oder Arbeitskollegen zaghaft probierte, ist Döner im Fladenbrot heute zu einem weit

verbreiteten Finger food geworden. 

 

Dabei ist das Fladenbrot in jeder Beziehung eine „ runde “ Sache. Rein äußerlich ohnehin schon. Noch bemerkenswerter

sind die multifunktionalen Eigenschaften dieses duftenden, zum Verkauf aufgebackenen Weißbrotes. Das aufgeschlitzte Brot ist

nicht nur einfach essbare Beilage zum Fleisch, sondern dient auch sozusagen als griffige  „ Haupt-Verpackung “ für Fleisch, Salat und Soße.

 

Als äußere Umhüllung, zum Schutz der Finger vor dem Finger food ist dann lediglich nur noch eine ganz hauchdünne Papiertasche erforderlich. 

 

Diese Tüten waren bisher in Millionen-Auflage hergestellte Massenware, mit einem roten oder blauen Aufdruck versehen, der einen

Döner-Spieß samt Verkäufer zeigt, der gerade dabei ist, mit dem typischen Wetzstahl sein Messer zu schärfen.

 

 

Sponsoring -  Döner Kebab als neue Werbeplattform

 

Nun hat die Werbewirtschaft nun endlich auch einmal diese Tüten als Werbeträger entdeckt. Statt dem althergebrachten

 Kebab-Mann soll nunmehr Werbung von irgendwelchen Firmen aufgedruckt werden.

 

Den Inhaber einer Döner-Bude wird es freuen. Vermutlich bekommt er die Tüten nunmehr kostenlos. Möglicherweise zahlt ihm der

 Sponsor auch noch Geld dazu.

 

Einen richtigen Kampf der Sponsoren könnte man sich gar vorstellen: Möbel Zobelmann beispielsweise, zahlt an Döner-Ali

 5.000 Euro Bestechungsgeld, damit dieser seine Ware nicht mehr in Tüten mit der Werbung von Möbel Buschmann, dem

 Hauptkonkurrenten packt, sondern zukünftig in Tüten mit der Zobelmann-Werbung.

 

Der nächste denkbare Schritt wäre eine Art Banden-Werbung an der Döner-Bude. Warum eigentlich nicht? An mancher Döner-Bude

 verkehren in drei Stunden mehr Leute als sich am Sonntagnachmittag Zuschauer das traurige Heimspiel der örtlichen

Fußballmannschaft zu Gemüte führen.

 

Jedenfalls hat der Döner wahrscheinlich mehr zur Integration der türkischen Mitbürger beigetragen, als jedes Regierungsprogramm.

 Sozusagen gelebte Völkerverständigung an der Döner-Bude. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären.

 

 

Döner based education   -   Ausbildungs-Initiative

 

Angesichts der Wirtschaftsmacht des Döner, forderte Achim Doerfer, Vorsitzender der  „Liberalen Deutsch-Türkischen Vereinigung

 ( LTD) “, der Nachwuchs solle auch in der Döner-Bude eine reguläre Berufsausbildung mit formalem Abschluß absolvieren können. 

 

Zwei Berufsbilder schweben Herrn Doerfer vor: Dönermacher und Döner-Fachverkäufer. Der Dönermacher wäre dabei das

 Berufsbild der Leute, die Spieße beschicken.

 

Beifall für diese Idee gab es jedenfalls von Wolfgang Hermann, Wirtschaftsexperte der niedersächsischen FDP.

 

Immerhin ist die Döner-Industrie ein riesiger Markt. In Deutschland werden mehr Döner verdrückt als Pizzen, Hamburger und

Currywürste zusammengenommen.

 

Fast eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr macht die Döner-Branche in Deutschland; mehr als Mc Donald’s und Burger King zusammen.

 Drei mal so viel, wie Mc Donald’s alleine.

 

Etwa 50.000 Menschen arbeiten als Verkäufer in den Döner-Buden.

 

Weitere 5.000 sind in Betrieben beschäftigt, die für die Herstellung der Fleischspieße sorgen. Die größten davon verarbeiten am

Tag schier unglaubliche 500 Tonnen Fleisch.

 

Faustregel:  pro verarbeiteter Tonne Fleisch beschäftigen diese Betriebe durchschnittlich ziemlich genau ca. 1 Mitarbeiter. Angefangen

vom Einkäufer, Spieße-Beschicker, über Buchhalter, Auslieferungsfahrer, bis hin zum Kfz.-Meister, der die firmeneigene Lkw-Werkstatt leitet.

 

 

720 Millionen Portionen Kebab werden in Deutschland jährlich verkauft. Statistisch gesehen „ verputzt “ jeder Deutsche, vom

 Säugling bis zur 100-jährigen Oma durchschnittlich 9 Portionen im Jahr.

 

Die Industrie- und Handelskammern können sich noch nicht so richtig für die Idee mit den zwei neuen Berufsbildern begeistern.

 Statt dem Dönermacher soll es wohl eine Art Zusatzausbildung für Metzger geben, oder das Ganze wird kurzerhand in das

 Berufsbild des Metzgers integriert. Vergleichsweise lernen heutige Köche auch Pizza backen.

 

 

 

von der Politik zur Literatur  -  Exkurs:  Currywurst und Pommes

 

Viele Politiker sehen sich bekanntlich auch dazu berufen, literarisch tätig zu sein.

 

So auch Cem Özdemir, der Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Grüne. Ein von ihm geschriebenes Buch trägt erstaunlicherweise

 den Titel „ Currywurst und Pommes - Integration in Deutschland “.

 

Warum dieser im Schwäbischen beheimatete Nachfahre türkischer Eltern weder die heimischen Maultauschen, noch Döner Kebab

als würdig fand, auf die Titelseite seines Werkes gehoben zu werden, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

 

Ganz anders hingegen der Journalist  Eberhard Seidel-Pielen.  Sein im Jahr 1996  im Rotbuch-Verlag erschienenes Werk mit dem

 Titel „ Aufgespießt - wie der Döner über die Deutschen kam “ ist das erste umfassende, einschlägige Standard-Werk über die

Döner-Invasion in Deutschland.

 

Wer ein wenig aufpaßt, und Glück hat, kann Döner- Papst Seidel-Pielen vielleicht auch einmal live erleben, wenn er bei Reisen

 quer durch Deutschland sein Werk vor Ort vorstellt. 18 Jahre Recherche stecken in seinem Buch. Er war schlichtweg der erste Chronist,

und dies sozusagen von Beginn an. Sein Werk wird insoweit wirklich einzigartig bleiben.

 

Soweit zum Buch, diesem Jahrhunderte. Ganz trendig ist es nun der Zeit zu einem  Medienwechsel, genau gesagt ins Internet:

 

 

Döner goes online

 

Als erstes ist zunächst einmal die Internetseite mit der ULR   www.doener365.de

zu nennen.

 

Wie der Name schon unschwer erahnen läßt, ist diese dem Döner gewidmete Web-Seite rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar.

 

Dies erscheint auch eminent wichtig, ist dort doch unter anderem eine Suchmaschine installiert, um in jeder Stadt Döner-Verkaufsstellen

 zu finden. Samt Testberichten.

 

Jeder neue Geheimtip kann einfach eingetragen werden.

 

 

 

Döner und Zahlen  - Facts

 

Eberhard Seidel-Pielen lernten wir wegen seines Fachbuches bereits schon als Papst des Dönertums kennen.

 

Vom diesem Pontifex Maximus der Drehbraten-Literaten nun zu einem eher weltlichen Potentaten: Ungekrönter König des

vereinten Döner-Europas ist Remzi Kaptan. Selbst Herrscher über drei eigene Döner-Fabriken in Deutschland, ist dieser smarte

 Herr nebenbei auch Vorsitzender des Vereins Türkischer Dönerhersteller in Europa. (ATDID ).

 

Alleine schon die paneuropäische Ausrichtung im Namen der Vereinigung läßt ein Imperium vermuten. Nicht zu Unrecht.

 

„ Was seit den 70er Jahren von Berlin aus die Republik eroberte, gleicht einen kleinen türkischen Wirtschaftswunder. “,

stellte das Essener Zentrum für Türkei-Studien in einer Studie fest. Die Döner-Produktion ist zu einer Industrie geworden:

 

 

Hier das Döner-Deutschland im Jahre 2003, dargestellt in knallharten Zahlen:

 

 

12000  Döner-Verkaufsstellen

 

42000  Verkäufer

 

400    Hersteller stellen die Spieße fabrikmäßig her.  Schock-gefrostet und tiefgefroren gehen die Spieße täglich mit hunderten von

401     Lieferwagen zu den Verkaufsstellen.

 

1,8 Millionen Euro Umsatz macht die Branche.  Mehr als Mc Donald’s, Burger King und Wienerwald zusammen. Tendenz steigend.

 

Die durchschnittliche Döner-Bude hat etwas mehr als 3 Mitarbeiter und verkauft täglich ca. 200 Döner.

 

 

Alleine in Berlin gibt es ca. 1.300 Döner-Buden. Diese verkaufen 400.000 Döner am Tag. Statistisch gesehen  isst jeder

Berliner also ca. gesehen 30 - 40 pro Jahr.

 

 

Dieses förmlich explodierende Wirtschaftspotential beschäftigt inzwischen natürlich sogar auch die Wissenschaft.  

 

 

mit Döner zu Magister  und  Dr. rer. dön. h. c.

 

Im Rahmen von Untersuchungsvorhaben im Umfeld türkischer Einwanderer und ihrer in Mittelfranken beheimateten Nachkommen

wurden zwei Forschungsvorhaben verfolgt.

 

Es standen Aspekte des  „ ethnic business “ im Vordergrund.

 

Hierbei wurden unterschiedliche konzeptionelle Ansätze getestet, und - methodisch aufbereitet - in empirischen

Untersuchungen auf Gestaltungsspielräume und die Begrenzungen der unternehmerischen Verwirklichung am Beispiel türkischer

 Unternehmer im Döner-Kebab-Gewerbe Nürnbergs angewandt.

 

In seiner an der Universität Erlangen vorgelegten Abschlussarbeit, hat der Geograph Tim Fallenbacher sich des folgenden Themas

 angenommen:

 

Der Döner Kebab als Integrationschance?

 

Struktur und Wirtschaftsverflechtung im „türkischen“ Gastgewerbe in Nürnberg

 

Danach wurden im Jahr 2000 sechzig von insgesamt rund 1.750 Nürnberger Gaststättenbetrieben von türkischen Inhabern geführt,

immerhin stolze 3,4 %. An den Kebab-Buden waren damals Deutsche als Kunden mit über 76 % in der Mehrzahl.

 

Die Arbeit wurde im Jahr 2000 mit dem Franken-Preis der Fränkischen Geographischen Gesellschaft (   dotiert  mit  500  DM )

ausgezeichnet.  Immerhin ein kleiner Trost dafür, dass sich Tim Fallenbacher von Kneipe zu Kneipe förmlich durchfuttern mußte.

 Mindestens 15 Döner musste er vertilgen, um aller für seine Untersuchung notwendigen Daten habhaft zu werden.

 

Derart inspiriert, strebte dieser hoffnungsvolle Nachwuchs-Wissenschaftlicher selbstverständlich nach  noch höheren akademischen

 Weihen. Auch seiner Dissertation lag die gleiche Thematik zugrunde:

 

Ethnic Business in Nürnberg

 

Für derart konsequent zielgerichtetes Engagement gebührt ihm förmlich ein Extra-Doktortitel, der hiermit verliehen wird:

 

Dr.  dön. keb.  h. c.,  ( Doktor der Döner Kebab-Wissenschaften, humoris causa )

 

Äußeres Zeichen dieser Würde ist selbstverständlich ein passender Doktorhut. Ganz stilecht die Hälfte eines überdimensionalen

 Fladenbrotes; zur Tasche eingeschlitzt, damit das Ganze auch perfekt über den Ohren sitzt.